Portrait Thomas Krug

Stressfrei Bauen (Vol.11)

Ein Beitrag von Thomas Krug

Vielleicht klingt es vermessen, wenn wir uns als Pioniere in Sachen E-Mobilität im Bauwesen bezeichnen. Aber ein bisschen fühlen wir uns so, mein Geschäftspartner Jonas Betz und ich. Wir beide nutzen mittlerweile geschäftlich ein E-Auto. Und das bedeutet neben den vielen Vorteilen, die es mit sich bringt vor allem eines: Eine höhere Notwendigkeit zur Alltagsorganisation.

Da passt es ganz gut, dass wir eine Bauherrenvertretung leiten, die sich Agentur für stressfreies Bauen nennt. Denn stressfrei muss man sein, wenn man sich überwiegend mit einem Elektroauto fortbewegt.

E-Mobilität im Bauwesen – Fahren mit Genussmomenten und abenteuerlichen Situationen

Für das Thema E-Mobilität interessieren wir uns bei Conwick schon länger (siehe Beitrag vom März 2019). Nach überzeugender Probefahrt und vielen Gedankenspielen fassten Jonas Betz und ich den Entschluss, ein E-Auto als nächsten Firmenwagen anzuschaffen. Meine Wahl fiel auf den BMW i3.

Ich bin mittlerweile knapp 10.000 Kilometer mit dem neuen Wagen gefahren und kann die Pro- und Kontra-Argumente meines Geschäftsführungskollegen grundsätzlich bestätigen (siehe ausführlichen Erfahrungsbericht vom Juni 2019). Es gibt außerordentlich viele Genussmomente zu erleben. Hin und wieder kann allerdings auch Frust aufkommen.

Ich möchte dies anhand mehrerer Erlebnisse in meinem Alltag verdeutlichen.

Ein wiederkehrendes WOW-Erlebnis!

Mitte Juli 2019 war es soweit und ich konnte den Wagen beim Händler meines Vertrauens abholen. Ich war schon etwas nervös, denn schließlich ist die Entscheidung für ein E-Auto (und damit gegen einen Benziner) keine einfache. Doch schon als ich vom Hof fuhr, war ich begeistert. Der Wagen glitt nur so dahin, als würde ich auf einem fliegenden Teppich sitzen. Kein Geräusch war zu hören. Keine Unebenheit zu spüren. Ein tolles Gefühl, gerade auch in Verbindung mit der hochmodernern Bordelektronik.

Dann kamen die ersten Tankerlebnisse. Natürlich hatte ich mich vorbereitet und eine kleine Ladestation zuhause installiert. Diese funktionierte von Beginn an problemlos.

Ein erhebendes Gefühl waren die ersten Tankvorgänge außerhalb des eigenen Grundstücks. Auch hierüber informierte ich mich im Vorfeld und nutze hierfür den Anbieter „ChargeNow“. Hierüber können weltweit über 120.000 Ladepunkte angefahren werden. Die Orientierung erfolgt über eine mobile App, welche die nächsten Ladesäulen in der Umgebung anzeigt. Auch die Abrechnung erfolgt zentral über die mobile Anwendung.

Die Nutzung eines solchen Anbieters kann ich nur empfehlen, denn die App lieferte von Beginn an deutlich verlässlichere Informationen als der Bordcomputer (auch wenn sie nicht fehlerfrei ist, wie die zweite Geschichte zeigen wird …).

Zu sehen, wie wenig Geld ich fortan für das eigene Fortkommen zu investieren habe, vermittelte Freude pur. Gesteigert wurde dies noch, als ich zum ersten Mal mit meinem i3 zu Kaufland fuhr. Dort gibt es die Möglichkeit, das E-Auto kostenlos zu laden, während man seine Einkäufe tätigt. Ein besonderer Service, der seinen Zweck bei mir als Verbraucher erfüllt hat … Ich betrachte die Supermarktkette heute mit anderen Augen.

E-Mobilität im Bauwesen - mit Conwick, Agentur für stressfreies Bauen

Positives Beispiel: Dieses Parkhaus in Stuttgart verfügte über Stellplätze mit Lademöglichkeit und ausreichend Platz, wie in der App angegeben.

So häuften sich die positiven Erlebnisse von Tag zu Tag und es festigte sich die Gewissheit, dass die Entscheidung für ein E-Auto die richtige war. Niedrigere Kosten und mehr Fahrspaß – so lassen sich die größten Vorteile auf den Punkt bringen.

Ab und zu steht man blöd da …

Das Tanken an sich ist eigentlich kinderlicht. Und sofern es problemlos funktioniert, kommt man gut klar. Allerdings musste ich hier ein paar weniger schöne Erfahrungen sammeln.

Vor ein paar Wochen etwa war ich beruflich in Stuttgart. Zunächst konnte ich in einem Parkhaus nahe des Rathauses parken, das über mehrere breite Stellplätze mit Lademöglichkeit verfügte (siehe Bild oben). Alle waren frei, kein einziger Falschparker blockierte die Parkbuchten, was sonst leider recht häufig vorkommt.

Nach der Veranstaltung, die ich besuchte, begab ich mich dann noch in die Eberhardstraße in Stuttgart. Dort wurde mir vom System eine grün markierte Ladestation angezeigt. Das bedeutet eigentlich, dass sie frei und funktionsfähig ist. Vor Ort musste ich allerdings feststellen, dass sich statt einer funktionsfähigen Ladestation mehrere Fahrradstangen dort befanden (siehe Bild unten). Die Ladesäule war abgeklebt und außer Betrieb genommen.

E-Mobilität im Bauwesen - mit Conwick, Agentur für stressfreies Bauen

Negativbeispiel: Diese Ladesäule in Stuttgart war laut App-Angabe betriebsbereit. Wie sich zeigte, war sie weder zugänglich, noch funktionsfähig. Da kann es mit einem fast leeren Tank schon mal eng werden …

In diesem Fall versagte meine App. Aus diesem Grund empfehle ich jedem E-Auto-Nutzer eine Tankreserve von mindestens 30 Kilometer Restreichweite, um nicht „blöd da zu stehen“.

Eine andere Erfahrung machte ich vor wenigen Tagen, als ich an einer Raststätte meinen BMW i3 auflud. Nach einer 15-minütigen Kaffeepause, was bei einem Anschluss mit 50 Kilowattstunden etwa einer Reichweite von 90 Kilometern entspricht, wollte ich den restlichen Heimweg bewältigen. Leider kam es nicht dazu. Denn das Ladekabel ließ sich nicht mehr vom Auto entfernen.

Es war einer der wenigen Momente, in denen ich meine Entscheidung für E-Mobilität im Bauwesen zumindest kurzzeitig hinterfragte. Doch Ärger wollte ich gar nicht erst aufkommen lassen. Der freundliche Mitarbeiter der zuständigen Hotline erklärte mir, was zu tun sei. Nach manueller Notentriegelung konnte ich dann weiterfahren, wenn auch nur zur nächsten Werkstatt … Denn nach einer Notentriegelung ist zunächst einmal kein neuer Ladevorgang möglich.

Ein bisschen Abenteuerlust muss also vorhanden sein, wenn man sich zum Kauf eines E-Autos entschließt. Aber wer Stress gut aushalten kann, den werden solche Situationen nicht weiter belasten. Ein paar Tage später konnte ich mein Auto dann übrigens wieder in Betrieb nehmen …

Weniger Flexibilität und mehr Organisationserfordernis – so möchte ich die größten Nachteile zusammenfassen.

Mein persönliches Fazit zur E-Mobilität im Bauwesen:

Das Fahren mit dem E-Auto ist aktuell noch etwas für Freaks oder – anders ausgedrückt – für Leute, die Pionierarbeit leisten wollen. Wer seinen Alltag ungebrochen fortführen möchte, für den ist ein E-Auto nichts. Man muss eine gewisse Veränderungsbereitschaft und vielleicht auch eine Spur Idealismus mitbringen. Dann allerdings eröffnet sich eine ganz neue und faszinierende Welt.

Insgesamt fahre ich deutlich ökonomischer und auch ökologischer. Auch wenn das manche Zeitgenossen immer wieder anders interpretieren möchten und auf die Ökobilanz von Autobatterien verweisen. In aller Regel bleibt das jedoch auch ihr einziges (und zumeist unreflektiertes) Argument.

In der Gesamtbetrachtung habe ich den Eindruck, dass sich hinsichtlich Technik und öffentlicher Wahrnehmung zurzeit sehr viel tut. Nichtsdestotrotz wird es noch etwas dauern, bis die Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit der E-Mobilität überwunden sind.

Ich bin überzeugt, dass sich der Wandel schneller vollzieht, wenn mehr Menschen ihn begleiten. Jonas und ich leisten seit diesem Jahr unseren Beitrag dazu.

Bilder: Thomas Krug (Conwick GmbH)

E-Mobilität im Bauwesen - mit Thomas Krug von Conwick, Agentur für stressfreies Bauen

E-Mobilität im Bauwesen: Thomas Krug in seinem neuen Geschäftswagen, dem BMW i3