Was genau ist eigentlich Stampflehm?
„Schon gewusst …?“ (Vol. 32)
Wenn man den Begriff Stampflehm hört, dann denkt man sofort an ein paar nackte Füße, die voller Mühsal eine zähe Erdmasse bearbeiten. Im Grunde genommen sind wir damit auch schon nah an der Wahrheit dran. Wenngleich weitaus mehr hinter diesem Baustoff steckt.
Stampflehm hat eine lange Geschichte
Ups, jetzt haben wir schon verraten, was Stampflehm ist, nämlich ein Baustoff. Genauer gesagt eine Mischung aus feuchtem Lehm, Sand und Kies. Seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits vor mehreren tausend Jahren wurde gestampfter Lehm zur Errichtung von Bauten und Mauern genutzt, u. a. für Teile der Chinesischen Mauer. Eingesetzt wurde er dabei rund um den Globus – von Asien über Nord- und Südamerika bis zum Mittelmeerraum. Und das hat sich bis heute nicht geändert.
In Deutschland war und ist die Verwendung von Stampflehm eher die Ausnahme, da die Gebäude hierzulande überwiegend in Fachwerk- oder Ziegelbaumanier errichtet wurden. Bislang … Denn er hat einige große Vorteile, die ihn auch als modernen Baustoff sehr interessant machen.
Baustoff mit äußerst gefragten Eigenschaften
Fast alles, was man sich aus bauphysikalischer und ökologischer Sicht von hochmodernen Gebäuden wünscht, erfüllt gestampfter Lehm. Hinzu kommen ästhetische Vorteile des Baustoffs, die seine Qualitäten abrunden.
Hier seine wichtigsten Eigenschaften in Kürze:
Stabilität: Durch seine Zusammensetzung weist der Baustoff eine ähnlich hohe Dichte wie Beton auf.
Raumklima: Gestampfter Lehm ist in der Lage, sowohl Feuchtigkeit als auch Wärme aufzunehmen und später wieder abzugeben. Das wirkt sich positiv auf das Raumklima, auf die Wohngesundheit, aber auch auf den Energieverbrauch aus.
Raumakustik: Der Baustoff wirkt sich positiv auf die Raumakustik aus und wirkt schalldämmend.
Ressourcenschonung: Stampflehm weist eine gute Nachhaltigkeitsbilanz auf, denn es handelt sich um einen natürlichen Baustoff, der mit vergleichsweise geringem Energieeinsatz gewonnen wird. Zudem kann er recycelt und wiederverwendet werden.
Ästhethik: Nicht zuletzt überzeugt gestampfter Lehm zum einen mit seiner Formfreiheit, da es sich um einen flexibel verwendbaren Baustoff handelt und zum anderen mit seiner markanten Oberflächenstruktur.
Sicherlich gibt es noch weitere gute Argumente für den Einsatz von Stampflehm auf modernen Baustellen. Nicht umsonst haben schon die Chinesen beim Bau ihres Wahrzeichens auf diesen Baustoff gesetzt. In der Zwischenzeit können Sie sich gerne noch mit anderen Baustoffen und Bauelementen beschäftigen, die wir in dieser Kolumne vorstellt haben: z. B. Herrgottsbeton, Blähton oder Sauerkrautplatten.
Ob wir einmal ein Bauvorhaben vorstellen werden, bei dem überwiegend Stampflehm eingesetzt wird? Wir sind selbst gespannt!
Zumindest indirekt hatte einer unserer Beiträge schon einmal mit Lehm zu tun. Denn wir berichteten im Jahr 2020 über den Fund des Menschenaffen Udo. Der Urzeit-Primat versetzte die wissenschaftliche Welt und das gesamte Allgäu in Erstaunen. Sein Fundort war die Lehmgrube Hammerschmiede bei Pforzen im Ostallgäu. Da stellt sich die Frage, ob Stampflehm nicht doch auch in Deutschland eine längere Geschichte hat als allgemein angenommen. Die Beantwortung dieser Frage überlassen wir aber der Wissenschaft …
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In „Schon gewusst…?“ berichten wir in unserem Blog über Aspekte, die uns bei Bauvorhaben immer wieder begegnen und die uns besonders wissenswert, kurios, kreativ oder einfach nur genial erscheinen. Diese Dinge möchten wir hier einem größeren Publikum zugänglich machen.
Beitragsbild: KI-generiert mithilfe von Dall-E


